19.06 - 25.06: Banking in a Week


Neuigkeiten der Woche 19.06 bis 25.06: Die beiden italienischen Großbanken Banca Popolare di Vicenza und die Veneto Banca sind insolvent und müssen abgewickelt werden. Die Oldenburgische Landesbank wurde von der Allianz an die Bremer Kreditbank für 300 Millionen verkauft. Mehrere japanische Banken entscheiden sich für Frankfurt als neuen EU-Finanzstandort. Das schwedische FinTech Klarna erhält eine Banklizens und möchte nun zu der größten Bank Europas werden. Die Deutsche Bank möchte ihr spanisches Privatkundengeschäft verkaufen und die Berliner Hyp überlegt sich mit der Deutschen Hypo zu fusionieren, um gemeinsam den größten deutschen gewerblichen Immobilienfinanzierer zu bilden.

 

Auch interessant: Bain & Company veröffentlicht eine Studie die zeigt, dass nur jeder fünfte Firmenkunde profitabel für eine Bank ist. Weiterhin haben es drei Banken geschafft sich gegen das derzeitige Filialsterben zu wehren und ihr Filialnetz profitabel weiter zu expandieren.


Neuigkeiten der Woche


Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca werden von der EZB als insolvent eingestuft (ZDF heute, 24.06.17):

Nach wochenlangen Verhandlungen wurde entschieden, dass die beiden italienischen Banken aufgrund zahlreicher fauler Kredite, mangelndem Eigenkapital und einem fehlenden Rettungsplan abgewickelt werden müssen. Erst 2016 wurden 3,5 Milliarden Euro in die beiden Banken investiert, jedoch ohne Erfolg.


Die Oldenburgische Landesbank wurde an die Bremer Kreditbank AG verkauft (Weser Kurier, 23.06.2017):

Die Allianz hat beschlossen ihre Anteile (90,2 %) an der Oldenburgischen Landesbank an die Bremer Kreditbank AG für 300 Millionen Euro zu verkaufen. Die Kreditbank möchte mit diesem Schritt sich weiter als Universalbank ausbauen, nachdem sie schon im vergangenen Jahr die Privatbank Neelmeyer gekauft hat.


Japanische Banken gehen nach Frankfurt (Handelsblatt, 22.06.17):

Die Holding der Investmentbank Nomura hat sich dazu entschieden ihr EU-Hauptquartier von London nach Frankfurt zu verschieben. Auch weitere japanische Banken wie die Daiwa Securities sowie die Mizuho Financial Group, Mitsubishi UFJ und Sumitomo Bank haben bereits erste Andeutungen gemacht, zumindest einen kleinen Teil nach Frankfurt zu verlagern. Somit scheint Frankfurt gerade für japanische Banken eine hohe Attraktivität für eine Relokalisierung zu besitzen.


Das FinTech Klarna erhält eine Banklizenz und möchte zu einer der größten Banken Europas werden (Handelsblatt, 22.06.17):

Der Online-Bezahldienst Klarna hat in der vergangenen Woche eine Banklizenz erhalten. In Deutschland ist Klarna hauptsächlich unter dem Namen "Sofort Überweisung" bekannt. Bisher verwenden 60 Millionen Nutzer den Service, welcher sich vor allem auf Lastschrift, Rechnungskauf und Ratenzahlung fokussiert. Mit 2 Milliarden Unternehmenswert und 1.500 Mitarbeitern zählt Klarna zu den größten FinTechs in Europa und es ist sehr wahrscheinlich, dass das FinTech nun auch den traditionellen Banken mit zum Beispiel einem eigenen Girokonto oder Sparanlage mehr Druck machen wird.


Das spanische Privatkundengeschäft der Deutschen Bank steht vor Verkauf (Handelsblatt, 21.06.17):

Die Deutsche Bank hat offiziell das spanische Privatkundengeschäft zum Verkauf angeboten, welches 200 Filialen und 2.500 Mitarbeiter beinhaltet. Bis zum 18. Juli dürfen Interessenten ein Angebot abgeben. Die Deutsche Bank führt somit ihre Strategie fort die ausländischen Privatkundeneinheiten zu verkaufen, nachdem sie bereits im letzten Monat den Verkauft des polnischen Geschäfts gestartet hat. 


Die Berlin Hyp möchte mit der Deutschen Hypo fusionieren (Handelsblatt, 19.06.17):

Die Immoblilienbank Berlin Hyp soll laut dem Sparkassen- und Giroverband neu ausgerichtet werden. Unter anderem wird eine Fusion mit der Deutschen Hypo in Hannover verhandelt. Dabei würde der größte gewerbliche Immobilienfinazierer in Deutschland entstehen. Ob sich diese Strategie wirklich durchsetzen wird, ist bisher noch nicht bekannt, da sich vor allem die kleineren Sparkassen gegen einen solch großen Wettbewerber im Sparkassen- und Giroverband wehren werden

Interessante Artikel zum Nachdenken


Nur jeder fünfte Firmenkunde ist profitabel (Bain & Company, 22.06.2017):

Die Unternehmensberatung Bain & Company hat eine Studie über das Corporate Banking veröffentlicht. Das Ergebnis ist, dass der Ertrag im Firmenkundensegment auch 2016 noch weiter gesunken ist und nur jeder fünfte Firmenkunde überhaupt profitabel für eine Bank ist. Von allen Firmenkunden generieren 50% nur so viel Umsatz, um gerade mal die angefallenen Kosten zu decken. Vor allem das Provisionsgeschäft, auf das sich Banken seit der Finanzkrise verstärkt konzentrieren, konnte nicht wie erwartet die hohen Profitabilitätsverluste der Niedrigzinspolitik ausgleichen und noch immer basieren im Durchschnitt 73% der Erträge im Firmenkundengeschäft auf dem Zinsüberschuss. Somit müssen Banken in Zukunft entweder die unprofitablen Kunden aus dem Geschäft ausschließen oder alternative Ertragsquellen finden.


Drei Banken trotzen dem Filialsterben (Handelsblatt, 21.06.17):

Geplagt durch die Niedrigzinspolitik haben Banken in Deutschland allein in 2016 2.000 Filialen geschlossen und weitere Schließungen sind in 2017 zu erwarten. Doch es gibt noch drei Banken die sich dazu entschlossen haben ihr Filialnetz auszubauen. Dazu zählen die Oberbank aus dem österreichischen Linz, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie die schweizer Banque CIC Suisse. Die Oberbank plant in diesem Jahr weitere 8 Filialen zu eröffnen und berichtet, dass sich die Filialöffnung für sie sehr lohne und der Jahresüberschuss proportional zu der Anzahl der Filialen steige. Die Strategie der Oberbank ist es, nur in wirtschaftlich sehr guten Regionen Filialen zu eröffnen und sich dort auf Neugeschäfte zu fokussieren, wohingegen Abwicklungsgeschäfte zentral durchgeführt werden. Nichtsdestotrotz haben Analysen der Unternehmensberatung Investors Marketing ergeben, dass das Top-Management in Banken erwartet 20% der jetzigen deutschen Filialen bis 2025 zu schließen.

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