17.07 - 24.07: Banking in a Week


Neuigkeiten der Woche 17.07 bis 24.07: Die Julius Bär Bank konnte ihr Wachstumsziel deutlich übertreffen. Der IWF erlässt weitere 1,6 Milliarden Euro als Hilfe für Griechenland, möchte aber weiterhin eine Entlastung Griechenlands durch deren Gläubiger. Gegen die Deutsche Börse wird wegen Insiderhandels ermittelt und eine Strafe in Höhe von 10,5 Millionen Euro droht. Die russische Jugra-Bank muss abgewickelt werden. Nach dem Kauf der Banco Popular erwartet die Santander Bank zahlreiche Klagen, da Kleinanleger ihr Geld verloren haben. PayPal möchte in Zusammenarbeit mit Visa eine Girokarte in Europa anbieten.

 

Auch interessant: Frankfurt am Main ist der große Gewinner des Brexit. Bereits 4 der 5 großen US-Investmentbanken haben sich für einen Umzug nach Frankfurt entschieden. Banken sollten sich bei anderen Branchen nach Lösungsansätzen umsehen, um die derzeitige Krise ausgelöst durch erhöhten FinTech-Wettbewerb und den regulatorischen Anforderungen zu bewältigen.


Neuigkeiten der Woche


Die Julius Bär Bank konnte ihre Wachstumsziele deutlich übertreffen (Handelsblatt, 24.07.17):

Julius Bär Bank konnte durch das Einstellen von über hundert neuen Kundenberatern im Jahr 2016 das größte Wachstum seit der Finanzkrise verbuchen und das verwaltete Kapital um 9,3 Milliarden Euro steigern. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 6,1 Prozent und übertrifft somit das prognostizierte Wachstum von rund 5 Prozent. Jedoch hatte die Strategie von Julius Bär auch Nachteile, da die Personalkosten erheblich angestiegen sind und somit der Gewinn leicht zurückgegangen ist.


IWF genehmigt weitere 1,6 Milliarden Hilfe für Griechenland (Zeit, 21.07.2017):

Der IWF hat eine Hilfe für Griechenland in Höhe von 1,6 Milliarden Euro genehmigt, aber pocht auch weiterhin darauf, dass die europäischen Gläubiger ihre Forderungen zumindest teilweise reduzieren. Bisher sieht der IWF sehr große Probleme dabei, dass die hohen Tilgungs- und Zinszahlungen die zusätzlichen Gewinne durch das griechische Wirtschaftswachstum komplett absorbieren. Deshalb hatte bereits am 7. Juli der Europäische Rettungsmechanismus ESM Griechenland eine Hilfe von 7,7 Milliarden Euro zur Tilgung der Forderungen gewährt.


Deutsche Börse droht eine Strafe in Höhe von 10,5 Millionen Euro (FAZ, 18.07.17):

Gegen die Deutsche Börse und deren Chef Carsten Kengeter wird wegen Insiderhandels und Verletzung der Pflichtmeldung ermittelt. Durch einen Aktienkauf kurz vor der offiziellen Veröffentlichung der Fusionspläne mit dem Londoner Stock Exchange konnte Kengeter erhebliche Aktiengewinne verbuchen. Die Deutsche Börse hat in einer offiziellen Stellungnahme die Ermittlung als haltlos bewertet.


Die russische Jugra-Bank muss abgewickelt werden (Die Welt, 17.07.17):

Die Jugra-Bank gehört zu den Top 30 Banken nach Bilanzsumme in Russland. Damit handelt es sich um eine der größten Bankenpleiten der letzten Jahre. Die Jugra-Bank wurde erst letztes Jahr aufgrund der hohen Gefahr der Zahlungsunfähigkeit unter die Aufsicht der Agentur für Einlagensicherung gestellt. Somit ist der russische Staat nun verpflichtet 2,5 Milliarden Euro für Sparer bereit zu stellen. Dies scheint jedoch nur der Anfang einer größeren Bankenkrise in Russland zu sein, da auch die bekannte Sberbank negative Schlagzeilen macht und befürchten muss einen Milliardenkredit aus Kroatien nicht mehr zurückgezahlt zu bekommen. Dieser Verlust hätte einen erheblichen Schaden in der russischen Bankenwelt als Folge.


Die Santander Bank erwartet zahlreiche Klagen (Handelsblatt, 17.07.17):

Der spanische Verbraucherschutz wird vermutlich gegen die Santander Bank eine Sammelklage vorbereiten, nachdem die Entschädigung der Kleinanleger der übernommenen Banco Popular zu gering ausgefallen ist. Nachdem die Banco Popular nicht mehr überlebensfähig war und für einen symbolischen Euro von der Santander Bank übernommen wurde, haben nach EU-Recht alle Kleinanleger ihre Ansprüche auf Rückzahlung verloren. Die Santander Bank hatte für alle Kleinanleger eine freiwillige Entschädigung versprochen unter der Bedingung nicht gegen die Bank zu klagen. Diese Entschädigung ist jedoch nun verhältnismäßig klein ausgefallen und kann die entstandenen Verluste nicht im Ansatz decken.


PayPal möchte eine eigene Girokarte in Europa anbieten (Financial Times, 17.07.17):

Derzeitig steht PayPal mit Visa im Gespräch um eine eigene Girokarte in Europa anbieten zu können. Damit wandert PayPal immer mehr in den traditionellen Bereich des Bankings und stellt eine große Gefahr für die etablierten Banken dar. Da PayPal bereits eine Banklizenz besitzt, handelt es sich bei der Einführung nur noch um eine Suche nach einem potentiellen Partner, welcher nun aller Voraussicht nach Visa wird.

Interessante Artikel zum Nachdenken


Frankfurt als großer Gewinner des Brexit (Handelsblatt, 21.07.17):

Eine Umfrage durch das Center for Financial Studies (CFS) hat ergeben, dass 86 Prozent der befragten Unternehmen daran glauben, dass Frankfurt am Main aus dem Brexit deutlich gestärkt hervorgehen wird. Bereits vier der fünf großen US-Investmentbanken haben sich dazu entschieden ihren EU-Hauptsitz nach Frankfurt am Main zu verschieben. Darunter ist die Citigroup, Morgan Stanley, Goldman Sachs und die Deutsche Bank. Ganze 45 Prozent der Befragten glauben, dass in Frankfurt am Main 5.000 -10.000 neue Jobs entstehen könnten und jeder fünfte erwartet sogar einen Jobzuwachs von mehr als 10.000.


Banken sollen sich andere Branchen als Vorbild nehmen (Der Banken-Blog, 05.07.17):

Derzeitig machen Banken einen starken Wandel, ausgelöst durch die hohen regulatorischen Anforderungen und steigendem Wettbewerb der FinTechs, durch. Deshalb entscheiden sich immer mehr Banken dazu Effizienzsteigerungsprogramme durchzuführen. Doch viele schauen nur in der eigenen Branche nach Best-Practice Lösungen, jedoch haben andere Branchen genau diesen Wandel bereits erfolgreich durchlebt. Zum Beispiel gab es vor Jahren einen großen Wettbewerbsdruck in der Chemie- und Pharmabranche durch sogenannte BioTechs. Ein anderes Beispiel ist die Retailbranche, in welcher seit Jahren Filialen geschlossen werden, weil Kunden lieber online statt offline einkaufen. Diese Branchen sollten sich Banken als Lehrbeispiel anschauen, um aus Fehlern zu lernen und vllt. sogar neue Lösungsansätze zu finden.

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