Special: HSH Nordbank und die Sparkassenkrise

Sparkasse Hannover
Bildquelle: Heiko Küverling

Zusammenfassung

Die Beteiligung des Sparkassen- und Giroverbands an der HSH Nordbank kann im Falle einer Abwicklung der Landesbank zu einer deutschlandweiten Sparkassenkrise führen. Die beteiligten Sparkassen sind durch die hohen Abwicklungskosten selber von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht, da sich bisher laut Medienberichten nicht genug finanzielle Mittel im Sicherungsfond befinden um die Kosten zu tragen. Weiterhin droht die Europäische Union bei einer Zahlungsunfähigkeit der Sparkassen und/oder der Landesbanken damit, die Privilegien zum Thema Eigenkapitalanforderungen aufzuheben. Als Resultat würden sich die Eigenkapitalanforderungen der Sparkassen deutlich erhöhen. Ein extremer Kapitalbedarf und hoher Kostendruck für die bereits stark unter Profitabilitätsproblemen leidenden Sparkassen wäre die Folge.


Die beteiligten Sparkassen müssen bei einer Abwicklung die Kosten tragen

Die Europäische Union hat 2015 deutlich gemacht, dass die HSH Nordbank abgewickelt werden muss, sollte diese nicht bis Februar 2018 einen neuen – kapitalstarken - Eigentümer finden. Ursprüngliche Käufer wie zum Beispiel die NordLB sowie der große Hoffnungsträger, die chinesische HNA Group, haben sich vor kurzem gegen einen Kauf entschieden (Private Banking Magazin, 2017).

Ebenso Werner Marnette, der ehemalige Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, stellte bereits sehr deutlich dar, dass aufgrund von Risiken im zweistelligen Milliardenbereich, welche ein Käufer nach Abschluss der Übernahme auf sich nehmen müsse, "der HSH-Nordbank-Verkauf platzen wird" (Hamburger Abendblatt, 2017). Doch was würde bei einer Abwicklung der Bank passieren und wer würde die Kosten tragen?

 

Als erstes würden die derzeitigen Besitzer der HSH Nordbank die Abwicklungskosten tragen. Die HSH Nordbank gehört zu 95% der HSH Beteiligungs Management GmbH und zu 5% der Neun Trust, welche zu einer US Private Equity Firma gehört. Das Kritische ist, dass neben dem Land Schleswig-Holstein und der Stadt Hamburg (durch eine Direktbeteiligung sowie zusätzlich durch den HSH Finanzfond) ebenso der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein an der HSH Beteiligungs Management GmbH mit circa 6% beteiligt ist (HSH Nordbank, 2017). Bei einer etwaigen Abwicklung der HSH Nordbank muss daher der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein für die Zahlungsausfälle aufkommen.

Eigentümerstruktur HSH Beteiligungs Management GmbH
Bild 1: Eigentümerstruktur HSH Beteiligungs Management GmbH

Insgesamt 1,1 Milliarden Euro Abwicklungskosten für die Sparkassen

Laut einer Analyse des Volkswirten und Wirtschaftsprofessors Martin Hellwig, werden die Kosten der Abwicklung mindestens 17 Milliarden Euro betragen (Kieler Nachrichten, 2017). Prof. Dirk Heithecker schätzte sogar die Kosten für das Land und die Stadt auf 19 Milliarden Euro und somit die Gesamtkosten auf circa 21 Milliarden Euro (Süddeutsche Zeitung, 2017). Nimmt man den Mittelwert aus diesen zwei Schätzungen erhält man mögliche Abwicklungskosten in Höhe von 19 Milliarden Euro.

 

Die Sparkassen in Schleswig-Holstein müssten bei ihrer Beteiligung (6% Beteiligung in der 95% Beteiligungsgesellschaft der HSH Nordbank) rund 5,7% der Gesamtkosten tragen und somit für 1,1 Milliarden Euro aufkommen. Ob die einzelnen Sparkassen in Schleswig-Holstein diese Summe aufbringen können, besonders nachdem die Finanzkrise und die anschließende Niedrigzinsphase nahezu alle Rücklagen aufgebraucht hat, ist fragwürdig.

 

Sollten die Sparkassen in Schleswig-Holstein diese Summe nicht zahlen können, muss zwangsweise der Sicherungsfond der Sparkassen und Landesbanken genutzt werden und alle Sparkassen wären von der Abwicklung betroffen. Derzeitig ist der Sicherungsfond mit nur 960 Millionen Euro gefüllt (Wirtschaftswoche, 2017) und es wären selbst nach einem vollständigen Aufbrauchen des Sicherungsfonds weitere 140 Millionen Euro ausstehend. Da die HSH Nordbank als Landesbank selber auch Mitglied im Haftungsverbund der Sparkassen ist, würden zusätzlich alle Kosten, welche von den restlichen Eigentümern der Landesbank nicht übernommen werden, den Sicherungsfond belasten.

Kostenkette für alle Sparkassen
Bild 2: Kostenkette für alle Sparkassen

Zusätzlich können alle Sparkassen und Landesbanken ihren Sonderstatus verlieren und müssten dann das Eigenkapital erhöhen

Aufgrund des Haftungsverbunds und des gemeinsamen Sicherungsfonds genießen Sparkassen und Landesbanken derzeitig einen Sonderstatus in der Europäischen Union. So müssen zum Beispiel Kredite zwischen den Institutionen nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden (Handelsblatt, 2015), wodurch die Eigenkapitalanforderungen der Sparkassen und Landesbanken vergleichsweise niedrig ausfallen. 

Gerade in Zeiten von niedrigen Zinsen kam diese Sonderregelung den Sparkassen sehr zu Gute und konnte den Profitabilitätsdruck durch die verschärften regulatorischen Anforderungen zumindest etwas abdämpfen.

 

Die Europäische Zentralbank betrachtet diese Sonderregelung schon seit geraumer Zeit als kritisch, da diese Kredite nicht als risikolos einzustufen sind. Die Begründung des Sparkassen- und Giroverbands gegen eine Einkapitalhinterlegung ist bisher, dass alle Institutionen und somit auch die Kredite, durch den Sicherungsfond abgesichert sind.

 

Sollte der Sicherungsfond durch die hohen Kosten der HSH Nordbank Abwicklung sich als nicht wirksam herausstellen, wird die Argumentation des Sparkassen- und Giroverbands hinfällig und die Sonderprivilegien der Sparkassen werden höchstwahrscheinlich abgeschafft. Somit wäre eine zusätzliche Eigenkapitalhinterlegung für alle Kredite zwischen den Institutionen notwendig und ein stark zunehmender Profitabilitätsdruck für alle Sparkassen und Landesbanken wäre die Folge.

 


Das Risiko für eine deutschlandweite Sparkassenkrise steigt

Durch die hohen Abwicklungskosten können die beteiligten Sparkassen selber zu einem Abwicklungsfall werden. Die nicht beteiligten Banken können durch erhöhte Eigenkapitalanforderungen und eine eventuelle Umlage der Abwicklungskosten mit einem erhöhten Kostendruck rechnen. Sollte sich die Niedrigzinssituation bis dahin nicht verbessert haben, wird es für die stark auf Einlagen- und Kreditgeschäft fokussierten Sparkassen schwer am Markt weiterhin zu bestehen, da bereits jetzt viele Sparkassen knapp an der Profitabilitätsgrenze wirtschaften. Für die Sparkassen gäbe es dann nur noch drei mögliche Szenarien:

 

1.Das Sparkassenmodel als gescheitert erklären und den Markt den Großbanken überlassen,

 

2. ein neues Geschäftsmodell abseits des klassischen Bankings etablieren oder

 

2. sich untereinander stärker konsolidieren um durch ein gemeinsam verwaltetes Kundenvolumen und dem daraus folgenden Massengeschäft einen Kostenvorteil erlangen.

 

Egal welcher Weg eingeschlagen wird, das klassische Sparkassenmodell würde bei einer HSH Nordbank Abwicklung unter der derzeitigen Marktsituation nur schwer bestehen können und müsste sich neu erfinden.

Reaktionskette von der Abwicklung bis zur Sparkassenkrise
Bild 3: Reaktionskette von der Abwicklung bis zur Sparkassenkrise

Was bedeutet das heute für …

… die betroffenen Sparkassen: Für alle Sparkassen die direkt betroffen sind gilt es entsprechende Rücklagen aufzubauen und das Beste zu hoffen. Für alle indirekt betroffenen Sparkassen gilt ein noch höherer Effizienzdruck um bei einer etwaigen Erhöhung der Kapitalanforderung weiterhin profitabel arbeiten zu können. 

 

… die Kunden der Sparkassen: Im schlimmsten Fall könnte es zu einer direkten Zahlungsunfähigkeit der beteiligten Sparkassen und zu einem langfristig Profitabilitätsverlust der restlichen Sparkassen kommen. Jeder Kunde sollte sich daher gut überlegen, ob Beträge die über der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro liegen bei einer Sparkasse noch sicher angelegt sind. Weiterhin wurde das Risiko an die Privatkunden weitergegeben, da die Sparkassen 7 Millionen HSH Nordbank Anleihen als risikolose Anlagemöglichkeit an ihre Kunden verkauft haben. Kunden die diese Papiere als Sparanlage besitzen, würden im Falle einer Abwicklung einen Totalverlust erleiden.

Quellen:

Private Banking Magazin (2017). Chinesische HNA zieht sich aus Bieterverfahren zurück. Retrieved from: https://www.private-banking-magazin.de/verkauf-der-hsh-nordbank-hna-zieht-sich-aus-bieterverfahren-zurueck/

Hamburger Abendblatt (2017). Ex-Minister: "Der HSH-Nordbank-Verkauf wird platzen". Retrieved from: http://www.abendblatt.de/hamburg/article210186715/Ex-Minister-Der-HSH-Nordbank-Verkauf-wird-platzen.html

HSH Nordbank (2017). Eigentümerstruktur. Retrieved from: https://www.hsh-nordbank.de/de/hsh-nordbank/eigentuemer-organisation/eigentuemer-organisation/

Wirtschaftswoche (2017). So instabil sind unsere Sparkassen. Retrieved from: http://www.wiwo.de/unternehmen/banken/interne-papiere-abwicklung-trifft-sparkassenkunden/19335790-2.html

Süddeutsche Zeitung (2017), Studenten berechnen mögliche Verluste für HSH Nordbank. Retrieved from: http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/banken---hannover-studenten-berechnen-moegliche-verluste-fuer-hsh-nordbank-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170517-99-488706

Kieler Nachrichten (2017). Studenten berechnen Milliarden-Verluste. Retrieved from: http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Wirtschaftsnachrichten/Nachrichten-Wirtschaft/Studenten-berechnen-Milliarden-Verluste-fuer-HSH-Nordbank

Handelsblatt (2015). Sparkassen und Landesbanken: Privilegien auf dem Prüfstand. Retrieved from: http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/sparkassen-und-landesbanken-privilegien-auf-dem-pruefstand/11992306.html

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